In letzter Zeit werden mir - als Unternehmen - immer öfter sogenannte redaktionelle Beiträge in verschiedenen Magazinen angeboten. Das bedeutet, das Magazin schreibt über mein Unternehmen, ich bezahle dafür und habe dadurch auch einen gewissen Einfluss auf den Inhalt.
Für mich als Unternehmerin fällt das eigentlich in den Bereich Werbung, für den Leser ist es aber nicht als solche erkennbar.
Die "Virginia Declaration of Rights" - ein Dokument, das immerhin das Verständnis für Demokratie in der ganzen westlichen Welt mitgeprägt hat - zählt die Pressefreiheit zu den unveräußerlichen Menschenrechten.
Ist das dann noch Pressefreiheit, wenn sich die PR- und Werbung(abhängige) Presse dem Druck des Kapitals unterwirft? Wer mehr Geld hat kriegt mehr Aufmerksamkeit.
Nimmt sich diese Form des Journalismus dabei nicht jede Form der Unabhängigkeit, eine Unabhängigkeit, die die Aufklärung mühsam erstritten hat. Da ist ja kritischer Journalismus schon von vornherein ausgeschlossen. Der "Auftraggeber" bezahlt ja für den Artikel, also kann er auch etwas erwarten - vorzugsweise etwas, was ihn in positivem Licht erscheinen läßt und was ihm "gefällt".
Na ja, vielleicht brauchen wir ja keinen kritischen Journalismus. Aber ist nicht Kritik manchmal - oder meistens - der einzige Motor der Veränderung?
Vielleicht brauchen wir auch keine Veränderung, aber Stillstand ist Tod.
Ansonsten verliert ja auch das Web 2.0 - materieller Ausdruck der Meinungs- und Redefreiheit - jede Grundlage. Ja wir brauchen Kritik und Auseinandersetzung, um uns immer genauer zu definieren und auszudrücken. Und wir brauchen kritischen Journalismus auch als ein Instrument der Kontrolle öffentlicher, politischer und gesellschaftlicher Ereignisse.
Natürlich habe ich diese Entwicklung noch nicht bei Tageszeitungen festgestellt. Dennoch finde ich diesen Ansatz bedenklich. Wo bleiben denn da die schillernden, idealistischen Originale aus der Anfangszeit der Presse?
Und was ist schon ein Leben ohne schillernde, idealistische Individuen?
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